Finanzierungsgrundsätze

Das übergeordnete finanzpolitische Ziel von Bertelsmann ist die Gewährleistung eines ausgewogenen Verhältnisses von Finanzierungssicherheit, Eigenkapitalrentabilität und Wachstum. Dazu richtet der Konzern seine Finanzierung an den Anforderungen eines Credit Rating der Bonitätsstufe „Baa1/BBB+“ und den damit verbundenen qualitativen und quantitativen Kriterien aus. Rating und Transparenz gegenüber dem Kapitalmarkt leisten einen bedeutenden Beitrag zur finanziellen Sicherheit und Unabhängigkeit des Unternehmens.

Entsprechend der Konzernstruktur erfolgt die Kapitalallokation zentral über die Bertelsmann SE & Co. KGaA, die die Konzerngesellschaften mit Liquidität versorgt und die Vergabe von Garantien und Patronatserklärungen für Konzerngesellschaften steuert. Der Konzern bildet weitgehend eine finanzielle Einheit und optimiert damit die Kapitalbeschaffungs- und Anlagemöglichkeiten.

Die finanzielle Steuerung bei Bertelsmann erfolgt nach quantifizierten Finanzierungszielen, die sich an der wirtschaftlichen Verschuldung und mit abgeschwächter Bedeutung an der Kapitalstruktur orientieren. Zu den Finanzierungszielen gehört ein dynamischer Verschuldungsgrad (Leverage Factor), der sich aus dem Verhältnis der wirtschaftlichen Schulden zum Operating EBITDA über einen 12-Monats-Zeitraum ergibt und den Wert von 2,5 nicht überschreiten sollte. Die wirtschaftlichen Schulden sind definiert als Nettofinanzschulden abzüglich 50 Prozent des Nominalkapitals der Hybridanleihen, zuzüglich Pensionsrückstellungen, Genusskapital und Barwert der Operating Leases, und werden wie das Operating EBITDA für Berechnungszwecke modifiziert. Die wirtschaftlichen Schulden lagen per 30. Juni 2016 bei 6.274 Mio. € (31. Dezember 2015: 5.609 Mio. €). Der Anstieg ist vorwiegend auf die deutlich erhöhten Pensionsrückstellungen und ähnlichen Verpflichtungen zurückzuführen, infolge der deutlichen Reduzierung des Rechnungszinsfußes. Zum 30. Juni 2016 lag der Leverage Factor bei 2,7 (31. Dezember 2015: 2,4).

Die Nettofinanzschulden erhöhten sich saisonal bedingt auf 2.954 Mio. € nach 2.765 Mio. € zum 31. Dezember 2015. Die Erhöhung ist zum Teil auf die Dividendenzahlungen an Aktionäre und nicht beherrschende Anteilseigner zurückzuführen, die überwiegend im ersten Halbjahr erfolgen.

Finanzierungsaktivitäten

Mit Blick auf die in der zweiten Jahreshälfte 2016 anstehenden Fälligkeiten platzierte Bertelsmann im April 2016 eine Benchmark-Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit und einem Emissionsvolumen von 500 Mio. €. Die in Luxemburg gelistete Anleihe ist mit einem festen Kupon von 1,125 Prozent ausgestattet. Darüber hinaus hat Bertelsmann im Juni 2016 im Rahmen einer Privatplatzierung ein Schuldscheindarlehen über 200 Mio. € mit einer zweijährigen Laufzeit begeben.

Rating

Bertelsmann verfügt über Emittenten-Ratings der Ratingagenturen Moody’s und S&P. Bertelsmann wird von Moody’s mit „Baa1“ (Ausblick: stabil) und von S&P mit „BBB+“ (Ausblick: stabil) bewertet. Beide Credit Ratings liegen im Investment-Grade-Bereich und entsprechen dem Zielrating von Bertelsmann. Die Einschätzung zur kurzfristigen Kreditqualität von Bertelsmann wird von Moody’s mit „P-2“ und von S&P mit „A-2“ beurteilt.

Kapitalflussrechnung

Im Berichtszeitraum wurde ein Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit in Höhe von 751 Mio. € generiert (H1 2015: 343 Mio. €). Der nachhaltige, um Sondereinflüsse bereinigte Operating Free Cash Flow betrug 718 Mio. € (H1 2015: 434 Mio. €). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit belief sich auf -502 Mio. € nach -817 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Die Abweichung resultiert vorwiegend aus der im Vorjahreszeitraum erfolgten Dotierung des durch den Bertelsmann Pension Trust e. V. treuhänderisch verwalteten Planvermögens in Höhe von 400 Mio. €. Mit 276 Mio. € lag der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit unter dem hohen Niveau des Vorjahreszeitraums (H1 2015: 595 Mio. €). Die liquiden Mittel erhöhten sich insbesondere durch die Emission von Anleihen auf 1.811 Mio. € zum 30. Juni 2016 (31. Dezember 2015: 1.310 Mio. €).

Konzern-Kapitalflussrechnung (Kurzfassung)  

in Mio. €1. Halbjahr 20161. Halbjahr 2015
Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit751343
Cashflow aus Investitionstätigkeit-502-817
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit276595
Zahlungswirksame Veränderung der liquiden Mittel525121
Wechselkursbedingte und sonstige Veränderungen der liquiden Mittel-2455
Liquide Mittel am 1.1.1.3101.331
Liquide Mittel am 30.6.1.8111.507
Abzüglich liquider Mittel der Veräußerungsgruppen
Liquide Mittel am 30.6. (laut Konzernbilanz)1.8111.507

Investitionen

Im ersten Halbjahr 2016 betrugen die Investitionen gemäß Kapitalflussrechnung 603 Mio. € (H1 2015: 514 Mio. €). Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte betrugen 212 Mio. € (H1 2015: 126 Mio. €) und entfielen insbesondere auf die RTL Group für Investitionen in Filmrechte sowie auf BMG für den Erwerb von Musikkatalogen. Von den Sachanlageinvestitionen in Höhe von 129 Mio. € (H1 2015: 150 Mio. €) entfiel wie im Vorjahreszeitraum ein Großteil auf Arvato. Für Investitionen in Finanzanlagen wurden 134 Mio. € (H1 2015: 165 Mio. €) aufgewandt. Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) lagen im Berichtszeitraum bei 128 Mio. € (H1 2015: 73 Mio. €) und entfielen im Wesentlichen auf Investitionen in Smartclip und die Groupe Cerise.

Bilanz

Zum 30. Juni 2016 betrug die Bilanzsumme 23,4 Mrd. € (31. Dezember 2015: 22,9 Mrd. €). Der Anstieg ist im Wesentlichen auf die Erhöhung von Finanzverbindlichkeiten zurückzuführen. Die Pensionsrückstellungen erhöhten sich aufgrund eines reduzierten Rechnungszinsfußes deutlich auf 2,3 Mrd. € (31. Dezember 2015: 1,7 Mrd. €). Das Eigenkapital verzeichnete im Wesentlichen aufgrund der rechnungszinsbedingten Neubewertung der Rückstellungen für leistungsorientierte Pensionspläne einen Rückgang auf 9,0 Mrd. € nach 9,4 Mrd. € zum 31. Dezember 2015. Daraus ergab sich eine Eigenkapitalquote von 38,4 Prozent (31. Dezember 2015: 41,2 Prozent). Die liquiden Mittel stiegen zum 30. Juni 2016 auf 1.811 Mio. € nach 1.310 Mio. € zum 31. Dezember 2015.

Mitarbeiter

Zum 30. Juni 2016 beschäftigte Bertelsmann weltweit 114.710 Mitarbeiter.